Worum geht es hier eigentlich?

Bei dem Wetter? Der ganze Aufwand? Wie jetzt, im Winter, die halbe Nacht? Bei minus zehn grad acht Stunden auf dem Boot? Urlaub in Norwegen, da ist doch immer schlechtes Wetter, oder? Der ganze Keller voller Krempel, was hat denn das alles gekostet? Wie viele Angeln hast du denn eigentlich? Und dann hast du den Fisch wieder reingeworfen…? Die Aufzählung an Fragen, die Nichtangler uns zwar milde, aber etwas mitleidig lächelnd immer wieder stellen, ließe sich sicherlich noch lange fortsetzen, gipfeln wird sie jedoch fast immer in der Königsfrage, der Frage aller Fragen:

Wieso gehst du überhaupt ständig angeln?

Zugegebenermaßen fällt es mir ein ums andere Mal schwer, dem Fragesteller eine ihm verständliche Antwort zu geben, was wohl daran liegen muss, dass die Beweggründe für unser Hobby vielmehr emotional als rational und damit für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar sind. Aber welche Gefühle treiben mich denn immer wieder ans Wasser? Klar, vordergründig will ich einen Fisch fangen, am besten natürlich einen möglichst großen. Ganz ehrlich gesagt habe ich dabei aber einen miserablen Wirkungsgrad, was meiner Begeisterung seit mittlerweile über zwanzig Jahren keinen Abbruch tut. Scheinbar steckt also doch noch mehr dahinter. Die Spannung bei der Suche nach dem „Jackpot“, die Natur, die frische Luft, das Abseits von Hektik und Stress, ein Hobby, das geradezu dazu prädestiniert ist, den Kopf freizubekommen und die Seele baumeln zu lassen und, ganz wichtig, die Leute, mit denen man seine Begeisterung teilen kann, mit denen man die Zeit bei der Jagd auf die Flossenträger verblödeln und dabei fast immer einen Haufen Spaß haben kann. All diese positiven Gefühle machen, zumindest für mich, aber wahrscheinlich für viele andere Angler auch, den eigentlichen Reiz der Fischerei als Hobby aus.

01_worum geht es hier eigentlich

Von Zeit zu Zeit allerdings stolpere ich über Sportsfreunde, deren Handeln selbst ich in keiner Weise nachvollziehen kann und die alles andere als angenehm auf mich wirken. Angefangen bei schlechter Laune und Unzufriedenheit wegen des Wetters, den Gewässern, des Vereins, der Fische, des Wasserstands, über nervenaufreibende Prahlerei und Angeberei bis hin zu regelrechten Sabotageakten unter eigentlich Gleichgesinnten. Was bewegt nun diese Menschen, deren Antrieb ja ganz offensichtlich nicht aus positiven Empfindungen bei der Ausübung ihres Hobbys resultiert, was treibt diese Zeitgenossen an?

02_worum geht es hier eigentlich

Aus aktuellem Anlass habe ich mal wieder versucht zu begreifen, was in den Köpfen dieser Leute vorgeht, die uns das Leben manchmal schwerer machen, als es sein müsste, die unsere Spots klauen, weil Sie selbst zu bequem sind welche zu suchen oder alles daran setzen, uns Probleme zu machen, weil uns immer mal wieder ein Fisch wegen unserer zwei linken Hände zurück ins Wasser fällt. Irgendwann bin ich dann auf einen interessanten Punkt gekommen. Es gibt eigentlich nur eine plausible Erklärung hierzu, wenngleich sie mir auf den ersten Blick völlig unverständlich schien. Es muss der Neid die Triebkraft ihres feindseligen Verhaltens sein. In der Psychotherapie werden meinen Recherchen zufolge gewisse Verhaltensweisen als begleitende Erscheinungen des übersteigerten Neides thematisiert:

"dich mit dem anderen vergleichen; den anderen abwerten; den anderen beschimpfen; prahlen; in Wettkampf treten mit dem anderen; unzufrieden sein; intrigieren; dich gekränkt und deprimiert fühlen; dich bemitleiden; ärgerlich und aggressiv sein, einen Hass auf alle entwickeln, die du beneidest." (Quelle: www.selbsthilfe-beratung.de) Bingo, das ist es also! Nun gut, nicht so schlecht für uns eigentlich, denn wer kennt ihn nicht, den Spruch: Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen. Prinzipiell kann der Neid in diesen Ausprägungen jedoch nur entstehen, wenn wir unter einem sehr geringen Selbstwertgefühl leiden. Sollten wir also nicht besser Mitleid mit den Leuten haben, die versuchen uns Knüppel zwischen die Beine zu werfen, als sie zu verfluchen? Aber klar! Und das Beste für die Kameraden: das gibt’s sogar geschenkt - übrigens ganz im Gegensatz zu regelmäßigen Erfolgen!

03_worum geht es hier eigentlich

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen noch viele lustige, erholsame Stunden am Wasser, denn darum geht’s eigentlich!