|
Gerade jetzt, kurz vor dem Winter, passiert es mir immer wieder dass mich Kollegen ansprechen die mich sonst das ganze Jahr links liegen lassen. Warum? Naja, sie stellen das ganze Jahr über Karpfen & Co. nach oder gehören dem großen Kreis der "Gelegenheitsangler“ an. In dieser Jahreszeit sind sie nun auf der Suche nach einer erfolgversprechenden Angelmethode bei der man ohne lange Vorbereitungszeit gleich mit dem Angeln loslegen kann und umgekehrt auch schnell den Heimweg antreten kann sobald die Finger kalt werden.
So geschehen kürzlich bei meinem Gerätehändler. Ein Bekannter, der sich sonst eher für Boilies und Kürbiskernplatten interessierte deckte sich plötzlich mit 5 Kopyto’s, für die am Wochenende stattfindende Zanderpirsch, ein. Voller Enthusiasmus holte er sich noch ein paar Tipps bei mir ab um mir dann am Wochenende das fürchten zu lehren. Tja, es kam wie es kommen musste. Bereits am Freitag traf ich ihn am Wasser. Seine 5 Gummis hingen am Grund der Donau, sein Arm tat vom Werfen weh und sein Enthusiasmus war verflogen. "Dieses Gummizeugs taugt nichts“ und "Es ist sowieso nichts mehr drinnen“ waren noch die harmlosesten Kommentare zu seinem Versuch einen Zander zu überlisten.
Dieses Erlebnis, das ich so oder so ähnlich schon öfter gehabt hatte, möchte ich nun zum Anlass nehmen um all diejenigen davor zu warnen mit allzu großen Erwartungen ans Wasser zu gehen! Wenn ihr nicht gerade in der glücklichen Lage seid ein Zanderparadies zu befischen oder ihr regelmäßig im Lotto gewinnt – tief durchatmen und wieder auf den Boden der Realität zurückkehren.
Egal ob "Profi“ oder "0815“ Angler, jeder hat einmal so begonnen und viele sind nach den ersten Erfolgen der Sucht dieser Angeltechnik erlegen. Spinnfischen ist nun mal mehr als einen x-beliebigen Gummifisch ins Wasser zu werfen und ihn mit kleinen Sprüngen über den Grund einzuholen. Sicher gibt es Angler die auf diese Art und Weise schon Fische gefangen haben. Ich kenne einen davon persönlich, der nach dem 3ten Wurf in der Donau einen 82er Zander gefangen hat. Danach aber hat auch ihn die bittere Realität eingeholt. Um auf Dauer erfolgreich zu sein braucht es, meiner Meinung nach, speziell am Anfang jede Menge Zeit und Ausdauer! Jeder muss für sich entscheiden ob er diesen Schritt machen möchte oder nicht. Wenn nicht dann empfehle ich diesen Artikel nicht weiter zu lesen, sich ein paar Köderfische sowie einen Stuhl zu schnappen und seine Stachelritter beim Ansitzangeln zu fangen.
Gut! Du hast sich also dazu entschieden es zu versuchen und den einen oder anderen Schneidertag in Kauf zu nehmen um vielleicht einmal mit dem Fisch deines Lebens dafür belohnt zu werden. Um die Zeit bis zum ersten Fisch etwas zu verkürzen möchte ich euch an der Stelle gleich ein paar Tipps mit auf den Weg geben.
Man muss nicht jeden im Handel erhältlichen Gummiköder besitzen! Als stolzer Besitzer von über 2500 Gummis kann ich diesen Tipp mit gutem Gewissen geben. Für den Anfang ist es vollkommend ausreichend sich mit ein paar Modellen in diversen Standartfarben auszurüsten. Ich würde dazu raten sich einerseits an natürlichen Farben zu orientieren (Perlweiss, Braun, Grün, Perlweiss-Schwarz,…) und andererseits 1 bis 2 Schockfarben im Sortiment zu haben (Gelb, Chartreuse,…).
- Erfahrungsgemäß gibt es auf kleine Köder mehr Bisse als auf Große. Wenn du also einen langen Atem hast dann gehe gleich mit einem 18er Gummi an dein Hausgewässer und probiere es auf die richtig Großen. Solltest du aber eher an dem "schnellen" Erfolg interessiert sein dann wähle den Köder besser eine Nummer kleiner.
- Solltest du noch kein passendes Equipment haben dann lasse dich gut und ausführlich beraten bzw. informiere dich im Internet! Es muss nicht immer die teuerste Rute oder die Rolle mit den meisten Kugellagern sein aber eine solide Grundlage gewährleistet dass du auch Spaß beim Angeln hast. Viele Angler unterschätzen die Belastung wenn man über Stunden eine schwere, kopflastige Rute in der Hand hat. Von der fehlenden Bißerkennung bei einer ungeeigneten Rute ganz zu schweigen.
- Scheue nicht davor auch mal den einen oder andern Gummi im Wasser zu verlieren. Dies setzt natürlich voraus, dass man von jedem Typ auch ein paar Exemplare dabei hat. Nur so wirst du das Gewässer kennenlernen und die Fische fangen.
- Beim Spinnfischen ist volle Konzentration angesagt! Wenn ich mit Kollegen am Wasser bin sprechen wir kaum miteinander. Jeder ist konzentriert um den nächsten Biss nicht zu verschlafen. Wenn Gesprächsbedarf besteht oder eine Rauchpause einlegt wird dann ist es am Anfang besser die Rute einen Moment zu Seite zu legen.
- Gebe nicht auf! Vertraue auf dein Können, der Stelle und dem Köder!
- Entscheide dich für ein Gewässer und bleibe dann auch dabei. Es macht nur wenig Sinn am Anfang zig verschiedene Gewässer zu beangeln. Man muss das Gewässer sehr gut kennen um regelmäßig erfolgreich zu sein.
- Profitiere vom Wissen anderer. Idealerweise kann man sich an einen erfahrenen Angler an jeweiligem Gewässer anhängen der bereits erfolgreich ist. Leider hat nicht jeder diese Möglichkeit. Mir hat das Internet hier viel geholfen. Foren und Websites bieten viele Informationen und Tipps die man, zumindest teilweise, auf sein Gewässer übertragen kann.
Abschließend möchte ich euch nochmal einen Grundsatz in Erinnerung rufen, der für jeden Angler selbstverständlich sein sollte. Wenn du diese Art der Angelei erst mal beherrscht, kannst du sehr gute Erfolge damit erzielen und es entwickelt sich dadurch mit der Zeit auch eine gewisse Verantwortung gegenüber dem Gewässer. Ich möchte daher jeden Angler bitten, eine vernünftige Entnahme-Politik zu verfolgen und die gefangenen Fische mit dem nötigen Respekt zu behandeln!
Ich wünsche allen viel Erfolg und vielleicht trifft man sich ja mal am Wasser!
|