Vesteralen / Ringstad

Nach Norwegen ist vor Norwegen - schon kurz nach unsererm letzten Urlaub liefen die Planungen für die nächste Tour an. Nachdem unser Dipl. Bootsversenker und Mr. Batfly leider verhindert waren startete ein etwas dezimiertes Team, mit nur 2 Vollblutanglern und einem Novizen Richtung Norden, genauer gesagt auf die Vesteralen in die Anlage Ringstad Sjohus.

Am 4.8 ging es mit Norwegian von München über Oslo nach Evenes. Nach über 14 Stunden erreichten wir die Anlage, wo wir uns auch gleich auf die Suche nach den Meerforellen und Lachsen machten, die hier direkt vor der Anlage in einen See aufsteigen. Die Salmoniden ließen sich allerdings nicht blicken, lediglich 2 kleine Dorsche konnten wir überlisten.

Tag 1: Nachdem die Einkäufe und die Bootseinweisung erledigt waren ging es gleich in Richtung offenes Meer. Auf dem Weg dorthin machten wir im Fjord einen Stopp auf einem Plateau, welches von 150m auf 35m ansteigt: die richtige Entscheidung- überall war Kleinköhler mit Räubern im Schlepptau. Nach einem kleinen Pollack stieg ein großer mit 88cm ein. Bei den folgenden Driften konnten wir noch einen großen Lumb sowie einige mittlere Dorsche verhaften. Beim nächsten Stopp am Grunskallen ließ sich kein Fisch blicken und auch die Köhlersuche gestaltete sich äußerst unproduktiv.

Tag 2: Der Wind frischte über Nacht noch einmal erheblich auf und wir mussten unser Glück im geschützten Fjord versuchen - was sich als äußerst zähe Angelegenheit entpuppte. Neben vielen kleinen Dorschen bis 65cm, gelang uns lediglich der Fang eines 'besseren' Fisches mit 80cm. Bei den Köhlern lief es nicht viel besser, wir fanden zwar einen Schwarm, auf 130m Tiefe, aber es gelang nur der Fang eines Fisches mit 60cm. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnten: es sollte der größte Seelachs des Urlaubs bleiben. Gegen Abend konnten erstmals einen Versuch auf dem offenen Meer starten, auf Krasen gelang Rafi der Fang eines 95cm langen Dorsches, ein größerer ging nach kurzem Drill verloren. Leider musste das Unternehmen nach der dritten Drift abgebrochen werden da manchen Personen, die hier nicht erwähnt werden möchten, der Seegang auf den Magen schlug.

Tag 3: Der Wind sollte laut Vorhersage erst gegen Abend nachlassen, so mussten wir es tagsüber wieder im Fjord versuchen. Wie erwartet gestaltete sich dies äußerst zäh, trotz langer Suche konnten wir keine Großdorsche bzw. Köhler aufspüren. Am Abend war die Motivation bzw. Seekrankheit bei einigen dann soweit fortgeschritten dass die abendliche Ausfahrt nur zu zweit gestartet wurde. Auf Kulen gelang dann bei 4 Driften der Fang von 2 Meterdorschen und ein weiterer großer schlitzte nach kurzem Drill aus. Leider sank die Temperatur bis auf unter 7 Grad und so musste nach eben diesen 4 Driften die Rückfahrt angetreten werden.

Tag 4: Am Morgen ging es wieder Richtung Kulen, doch wo 6 Stunden zuvor noch ein riesiger Köhlerschwarm mit Großdorschen im Schlepptau stand war es jetzt wie ausgestorben. So wurden der Reihe nach die anderen Plateaus abgeklappert - auf Gotrasa wurden wir dann schließlich fündig. Hier war zwar kein Futterfisch, aber Großdorsche und Pollacks. Es konnten mehrere Dorsche bis 125cm und ein Pollack mit 85cm erbeutet werden. Einziges Problem waren die allgegenwärtigen Lumbs: passte man einmal nicht auf und der Gummi berührte den Grund hing einer dieser Plagegeister am Haken. Nach einigen Stunden frischte dann der Wind wieder auf und wir traten zufrieden die Heimreise an.

Tag 5: Wieder zwang uns der Wind die geschützten Bereiche aufzusuchen, doch diesmal fanden wir eine Rinne in der die Dorsche gestapelt standen. Mit Ködern um die 75gr und leichten Ruten war die Angelei recht kurzweilig. Unter die vielen Dorsche mischte sich dann auch noch unser erster (gelandeter) Heilbutt- zwar nur 70cm, aber die Freude war trotzdem groß! Der restliche Tag wurde dann dazu genutzt intensiv auf Butt zu fischen, leider ließ sich kein weiterer mehr erbeuten und auch die Dorsche machten sich rar.

Tag 6: Der allmorgendliche Blick aus dem Fenster machte Mut - es war keine Welle zu sehen, der Fjord lag spiegelglatt vor uns, also schnell ins Boot und auf in Richtung offenes Meer. Dort folgte dann die Ernüchterung: war im Fjord nicht eine Welle, so war draußen eine ordentliche Dünung die kein Fischen zuließ. So versuchten wir unser Glück im Bereich hinter den Inseln von Gaukvaeroy und Litloy. Doch egal wo wir unsere Köder auf die Reise schickten, es war kein Fisch zu finden, nicht mal die sonst allgegenwärtigen Lumbs fanden gefallen an unseren Gummis, dementsprechend war auch unsere Stimmung. Nach vielen Stunden ergebnisloser Fischerei machten wir uns dann auf den Rückweg. Einen kurzen Zwischenstopp an den Plateaus wo wir bereits am ersten Tag erfolgreich waren wollten wir dann aber doch noch einlegen. Schon beim ersten ablassen bekam Felix einen Biss, gefolgt von einer langen Flucht. Nach ca. 20 Minuten zeigte sich der Fisch: ein großer Heilbutt. Die ersten beiden Ladungsversuche klappten leider nicht wie geplant, so gelang es uns erst mit viel Glück beim dritten Mal den Butt per BogaGrip ins Boot zu befördern.

Tag 7: Endlich war es wieder möglich das offene Meer zu erreichen. Da bei unserem Meeresneuling die Motivation nach vielen Lumbfängen den Nullpunkt erreicht hatte starteten wir die Ausfahrt, zu zweit. Schon beim ersten ablassen der Köder auf Gotrasa bekam jeder von uns einen Dorsch in der 90+ Kategorie an den Haken. So ging es weiter, zwischendurch bissen Pollacks und (leider) Lumbs. Bei einer Drift am Plateau Kulen dann einmal nicht aufgepasst, den Grund berührt und sofort der unvermeidliche Lumbbiss - der Anhieb erfolgt nicht, in der Hoffnung der Plagegeist kann sich so gleich wieder vom Haken schütteln. Doch der vermeintliche Lumb setzte zu einer Flucht an wie es nur ein Fisch im Nordmeer vermag. Für einen Anhieb war es jetzt leider zu spät und so geschah nach einigen Minuten das unvermeidliche: der Einzelhaken schlitzte aus..... Den restlichen Tag fingen wir noch viele Dorsche in der Meterkategorie, doch diese trösteten nicht wirklich über die verpatzte Buttchance hinweg.

Tag 8: Unser letzter Tag sollte zugleich der beste werden, zumindest Wetter technisch. Sonne pur und kein Windhauch. Auf Gotrasa und den Plateaus ringsherum war es allerdings wie im Fjord: kein Fisch! Lediglich ein 90r Pollack stürzte sich auf den braunen Saltshaker. Letztendlich wurden wir dann aber doch noch fündig: bei Kulen in einer kleinen Rinne standen die Großdorsche. Fische bis 120cm Länge konnten wir fangen, dazu noch den einzigen Steinbeißer der Tour. Irgendwann hatten wir dann genug von den Dorschen und machten uns auf zur Großköhlersuche. Doch egal wo wir es versuchten, sie waren nicht zu finden. Lediglich ein Schellfisch ließ sich beim Speedpilken fangen. Nach einigen Stunden vergeblicher Suche war es dann Zeit Abschied vom Nordatlantik zu nehmen. Unserem Meersgott fiel dies sichtlich schwer, so dass er noch ein kurzes, freiwilliges Bad im 12 Grad kalten Wasser nahm.

Fazit: Ein Toprevier, wenn der Wind mitspielt. Der Fjord war äußerst unproduktiv, die Versicherung gegen den Wind, weshalb wir diese geschützte Anlage gewählt hatten, nutzlos. Mit dem Topboot der Anlage braucht man bei voller Fahrt ca. 35 Minuten zu den ergiebigen Fischgründen, mit den kleineren Booten sollte man dieses Vorhaben nur bei sehr guten Wetter auf sich nehmen. Wäre die Anlage näher an der offenen See, wir würden sicher wiederkommen.