Spinningista goes Norway / Steigen

10. August - Nach wochenlanger Planung ist es endlich soweit, Norwegen erwartet uns. Uns, das sind Team Lumb bestehend aus Sebastian und Damian, sowie Team Rotbarsch bestehend aus Felix aka. Die Seekarte, aka. Meeresgott und mir, Daniel. 4 begeisterte Spinnfischer, die seit Monaten diesem Termin entgegenfiebern. Nachdem die erste Hürde, die Gepäckannahme, genommen ist, geht es in Richtung Bodö. Dort angekommen geht es mit dem Mietwagen erst mal an den Saltstraumen, wo wir von riesigen Schwärmen Möwen empfangen werden die immer wieder ins Wasser tauchen, also schnell die Spinnruten aufgebaut und ans Wasser gestolpert. Die ersten Bisse lassen nicht lange auf sich warten, wir fangen massenweise Köhler und ein paar Dorsche - allerdings alles im Kindergartenformat. Nachdem die Strömung dann Turbinenschuss Mach 3 erreicht hat, beenden wir dieses Kapitel und machen uns auf den Weg zu unserem eigentlichen Ziel - Steigen Sjohus.

11.8.2009: Unglaublich wie lange 4 Stunden sein können wenn man nur 30cm Platz hat und einem Gerüche entgegenfliegen die man so nicht gekannt hat.... Nach diesen Erfahrungen verzichte ich auf die erste Ausfahrt. Gut ausgeschlafen und gerade am Aufbauen meiner Gerätschaften kommen dann die 3 vom Vestfjord zurück - in Erwartung der großen Fänge mache ich mich auf den Weg zum Steg. Dort angekommen ist auch schon das Malheur sichtbar, die 3 Leichtmatrosen hatten die falsche Ausfahrt genommen und waren aufgesessen, zum Glück war nur die Schraube Schrott.... Na, das fängt ja gut an! Immerhin konnten einige bessere Dorsche gelandet werden. Als der Schaden am Boot behoben war ging es nochmals aufs Wasser - an die Stelle die vor 2 Jahren immer wieder gute Fänge hervorgebracht hatte. Dort angekommen hingen auch schon beim ersten Aufschlagen der Pilker Dorsche an unseren Haken, leider nur die Krabbelstube, doch die Größe nahm stetig zu und es landeten die ersten 80+ Fische im Boot. Kurz bevor wir uns auf den Rückweg machen wollten, kam er - der erste Buttbiss. Nach kurzer Phase in welcher der Fisch nur stand folgte die unaufhaltsame Flucht, gerade als ich realisiert hatte, was da am anderen Ende hängt und wir den Fisch mit dem Boot folgen wollten, wurde die Schnur schlaff - der Butt hatte die Schnur an einem der Felsen aufgescheuert. Etwas deprimiert traten wir die Heimreise an. Fazit des ersten Tages: Schraube kaputt, Heilbutt abgerissen, aber immerhin einige schöne Dorsche und Seelachse gefangen.

12.8.2009: Der Wind hatte deutlich aufgefrischt, so versuchten wir uns erst mal an den Plätzen im windgeschützten Flagsund. Doch der machte, wie schon vor 2 Jahren, seinem Spitznamen Fucksund, alle Ehre und bescherte uns, außer Minidorschen und Köhlern, keine nennenswerten Fänge. Gegen Abend legte sich die Dünung und wir konnten wieder auf den Vestfjord. Am von unserem Seekartenmeister liebevoll genannten "Deppenplateau" Boebakkan ging dann der erste Meterfisch an den Haken. Sonst konnten keine nennenswerten Fänge mehr verbucht werden.

13.8.2009: Aufgrund der Dünung zog ich es vor mir den Morgentrip zu schenken und so gingen die 3 Leichtmatrosen alleine auf Großköhlerjagd. Die verlief auch nicht unerfolgreich, nur das Wort groß war nicht so wirklich passend, "bessere" Köhler waren es aber 😉 Einige Exemplare bis 10 Pfund konnten überlistet werden. Am Abend sollte es dann wieder auf Dorsch gehen, doch die Leos waren nicht in Beißlaune, nur eine Stelle brachte Bisse, allerdings nur von Dorschen im Ostseeformat.

14.8.2009: Beim morgendlichen Trip ging unserem Schraubenzerstörer der erste richtig große Dorsch der Tour an den Haken - 112cm lang, gefangen am Deppenplateau und der einzige vernünftige Fisch des Vormittags. Egal wo man suchte, die Dorsche waren nicht auffindbar. Nach Meinung des dort ständig verkehrenden Guides lag es an der Warmwetterperiode der Wochen davor - das Wasser sei einfach zu warm. Na ja, ein schwacher Trost dass auch die anderen nicht gut fingen, aber immerhin einer 😉 Abends ging außer kleinen Dorschen und dem ersten Schellfisch der Tour nichts mehr, dafür schlug Volker D. gewaltig zu - er fing einen Heilbutt von 117kg - der unseren Seekartenmeister zu einer Äußerung hinriss, die das ganze Boot erröten ließ und Volker zu einer Flucht ins Filetierhaus veranlassten...

15.8.2009: Da die Dorsche vor der Haustür augenscheinlich nicht anzufinden waren, nahmen wir die weite Fahrt in den Straumfjord auf uns - dort angekommen ging es auch richtig gut los, bei den ersten Driften konnten wir etliche Dorsche bis 85cm fangen, ein richtig guter schlitzte unserem Meeresgott noch aus. Als die Beißerei an dem Platz abflachte, versuchten wir es noch an einigen anderen Stellen im Fjord, doch leider waren keine richtigen Schwärme mehr zu lokalisieren. So versuchten wir es nochmals im offenen Vestfjord, wo wir einige Seelachse bis 75cm fangen konnten.

16.8.2009: Nach längerer Suche gelang es uns dann endlich einen Platz ausfindig zu machen an dem die Dorsche beißwillig waren. Auch wenn die ganz großen nicht wollten, war die Fischerei äußerst kurzweilig, es kamen etliche Dorsche bis 80cm an Board. Nachdem der Gott des Meeres seinen 12 stündigen Schönheitsschlaf beendet hatte, wurde die Stelle am Abend nochmals zu 4 angefahren, doch bis auf einen großen Leng und Lumbs war nichts mehr zu holen. Da wir von unseren Nachbarn erfahren hatten dass im Sund viele Brieslinge unterwegs sind, wagten wir dort noch einen Versuch. Leider gelang es uns nur Dorsche und Köhler bis 60cm zu landen, zwei richtig gute Fische gingen im Drill verloren.

17.8.2009: Den ewig kleinen Dorschen überdrüssig buchte die Altherrentruppe, in Hoffnung auf bessere Fischgründe, mit den Kollegen aus dem Nachbarhaus eine Kutterausfahrt, während Sebi und ich den Dorschen an dem Platz auf den Zahn fühlen wollte, der gestern gute Stückzahlen gebracht hatte. Schon auf unserer Fahrt malten wir uns aus was die anderen wohl schon gefangen haben und wie sehr wir es noch bereuen würden nicht mitgefahren zu sein.... Na ja es kam dann doch etwas anders: Sebi gelang es einen 111cm langen Dorsch per Lassomethode zu fangen und auch sonst war der Vormittag recht kurzweilig, viele Dorsche bis 70cm und einige Lengs kamen an Board. Bei den anderen dagegen ging fast nichts, 3 Dorsche bis 80cm und 1 Seelachs mit 80cm - das war alles was die 10 Mann an Deck des Kutters zauberten - zu allem Überfluss wurde unser Dipl. Bootsaufsetzer auch noch von einem verwirrten Mitfahrer mit Innereien beworfen. Ernüchterung pur, der Meersgott war der Kapitulation nahe... Am Abend erlebten wir dann noch ein tolles Spektakel an der Brücke im Flagsund: bei Flut wurden riesige Mengen von Brieslingen durch den Sund gedrückt, welche von unzähligen Seelachsen und Dorschen an die Oberfläche gedrückt wurden. Die Größe war, wie immer, nicht der Rede wert, immerhin wurde noch der erste Pollack der Tour gefangen.

18.8.2009: Bei besten Wetter ging es auf zur zweiten Tour in den Straumfjord. Auf dem Weg dorthin klapperten wir noch die vermeintlichen Hot Spots ab, an einer Stelle erlebte dann Damian eine Sternstunde: erst stürzte sich ein lebensmüder Köhler mit 90cm auf seinen selbstgegossenen Gummifisch in der Spezialfarbe "Ratte", wenig später ging ihm noch ein dicker Dorsch auf den Giant Jighead.

Nach etlichen erfolglosen Driften an anderen "HotSpots", erreichten wir endlich den Straumfjord. An der Dorschwiese war nichts geboten und auch am Leuchtturm trieb sich nur Kleinfisch herum. Also Plan B, einfach mal über 400m tiefes Wasser stellen und schauen ob Köhler da sind. Die Platzwahl wurde uns dann von raubenden Seeschwalben abgenommen - kaum hatten wir die Pilker abgelassen waren die Ruten auch schon krumm! Bei fast jedem Wurf hing ein Köhler am Köder, egal ob Pilker, Gummifisch oder "Ratte".

Nach 2 Stunden hatten wir uns sattgefangen und traten die Heimreise an - wie viele Köhler wir gefangen hatten wusste keiner - größenmäßig kamen wir über 85cm nicht hinaus.

19.8.2009: Auf der Suche nach dem 10kg+ Köhler ging es bei strahlendem Sonnenschein wieder in den Straumfjord. Kaum angekommen wiesen uns die raubenden Seeschwalben wieder den Weg zum Fisch - es ging so weiter wie es aufgehört hatte: Unmengen von Köhlern zwischen 75 und 85cm, darüber ging nichts. Sebastian gelang nach langer Werferei dann noch der Fang eines Schwarzkittels auf Fliege. Damit war das Kapitel Straumfjord für diesen Tag erledigt und wir versuchten es wieder auf Dorsch. Leider waren diese bei allen Bemühungen nicht auffindbar, auch der abendliche Versuch auf Heilbutt war nicht von Erfolg gekrönt.

20.8.2009: Der letzte Tag - die letzte Chance für Felix und mich endlich einen metrigen Fisch aus dem Wasser zu ziehen. Bei der morgendlichen Tour am Vaelsboen konnten etliche Dorsche bis 70cm gefangen werden, abends sollte es dann nochmals Richtung "Köhlerwiese" gehen. Doch erst wollten wir es auf Boebakkan nochmals versuchen - wie immer ein Biss = metriger Dorsch. Gefangen vom Meeresgott mit asiatischem Kleinschwanzgummifisch 😉 Da dort natürlich sonst nichts mehr ging führen wir Richtung Straumfjord. Auf dem Weg dorthin ging Sebi noch ein großer Schellfisch bei der Landung verloren - der einzig große den wir bei unserem Aufenthalt zu sehen bekamen.

Im Straumfjord waren die Köhler wieder an den bekannten Plätzen, doch die Größe hatte sich immer noch nicht geändert - So beließen wir es bei einigen Driften und versuchten es abschließend noch an der Brücke auf Heilbutt - leider ließ sich wieder keine Kveite zum Biss überreden, nur ein paar Dorsche wollten noch zur Bootsbesichtigung. Somit stand das Ergebnis unseres Teamfischens fest: Team Lumb konnte an 6 von 10 Tagen die größeren Flossenträger an Land ziehen, der Wetteinsatz wird im nächsten Jahr eingelöst, versprochen, wir dürfen nur keine Creme mehr mitnehmen, sonst wird es nichts 😉

Die Rückreise verlief einigermaßen problemlos - bis auf die Kleinigkeit, dass wir fast nicht zum Flughafen gefunden hätten, da unser Seekartenmeister den Routenplaner der Hinfahrt entsorgt hatte, mit den Worten: "Wieso regts euch auf, der hilft doch zurück eh nix". Am Flughafen trafen wir dann noch 2 bekannte Gesichter.

Fazit: Team, Wetter, Anlage alles war bestens, aber die wichtigste Variable - die Fische - wollten nicht so richtig mitspielen, deswegen möchte ich zum Abschluss unsere Nachbarn zitieren: "Steigen - das war es!!!!!!!"