Socotra – Fischen in einem der letzten Grenzgebiete

Socotra – wo ist das denn? Jedes Mal wenn wir die Antwort auf die Frage lieferten wo wir unseren nächsten Urlaub verbringen, mussten wir erst mal erklären wo dieses Eiland liegt. Dies allein ist schon ein Hinweis auf die Abgeschiedenheit der Insel. Bedingt durch seine geographische Lage, es liegt genau zwischen Somalia und Jemen, ist der Tourismus hier noch im Entwicklungsstadium und die Natur praktisch noch unberührt. Dies gilt auch für die Unterwasserfauna, welche voller Leben ist. Vor allem wegen der großen Giant Trevallys ist die Insel in Fachkreisen bekannt, doch darauf sollte man Socotra nicht beschränken, auch die restliche Fischfauna ist hier in Weltrekordgrößen anzutreffen.

Das einzige Problem an Socotra: die Anreise. Bedingt durch die politische Lage rät die Botschaft von einem Aufenthalt auf dem Festland ab, genau solch einer ist aber nötig um nach Socotra zu kommen. Da es sich lediglich um eine Nacht handelte gingen wir das Risiko ein, Sanaa an sich stellte auch kein Problem dar, lediglich der Zollbeamte welcher unser Echolot konfiszierte war eben ein solches.

Socotra_2013_A Mit Echolot, welches noch freigekauft werden musste, ging es dann schließlich nach Socotra, dessen Meer uns in einem wunderschönen Kontrast aus Türkis und Azurblau bei der Landung empfing. Nach der Landung ging es dann auch gleich in unser Zuhaue für die nächsten 10 Tage: ein Strandcamp an der Ostseite der Insel. Hotels gibt es auf Socotra lediglich in Hadiboh, von einem Aufenthalt dort sollte man aber absehen, die Fischgründe dort sind bei weitem nicht so ergiebig wie an den unberührten Teilen der Insel. Ganz davon abgesehen dass das Standcamp ein wahres Luxuscamp war, inklusive Fahrer, Koch, Übersetzer und natürlich einem einheimischen Fischer als Kapitän. Mit dieser Mannschaft im Rücken waren dann auch alle Zweifel verflogen, ob einer erfolgreichen Gestaltung dieses Urlaubs.

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Nun aber zum eigentlichen Zweck dieses Urlaubs, dem Angeln, aufgrund seiner Vielfältigkeit sollen hier die verschiedenen Möglichkeiten beschrieben werden.

No boat? No problem!

Aufgrund seiner Küstenstruktur bietet Socotra auch vom Ufer aus hervorragende Möglichkeiten. Die Untergrundstruktur reicht am Ufer von Korallengärten über Lavagestein bis hin zu sandigen und felsigen Abschnitten. So vielfältig wie die Küstenstruktur ist auch die Fischfauna. Als am fischreichsten haben sich die Abschnitte herausgestellt an welchen Korallen an Sandstrände anschlossen. Hier waren verschiedene Stachelmakrelenarten anzutreffen, vor allem Bluefin Travallys, aber auch Horseye Jacks und kleinere Giant Trevallys.

Socotra_2013_C An den felsigen Abschnitten waren vor allem Grouper, Snapper und Emperor zu überlisten. Hier muss allerdings starkes Gerät gewählt werden, da die Fische die Struktur zu ihrem Vorteil nutzen und den Angler oft frustrierter zurücklassen. Zu bestimmten Jahreszeiten sind vom Ufer aus zudem große Tintenfische fangbar, Squid Jigs sind also Pflicht!

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Big Swell – Big Fish? – Surface Fishing

Um die richtig großen Fische zu fangen muss man allerdings auch in Socotra auf die offene See. Die Boote sind zwar lediglich mit 40 PS Motoren ausgestattet, allerdings stellt dies kein Problem dar, da die besten Fangplätze maximal 5 Kilometer entfernt sind. So auch die Plätze für die Oberflächenfischerei. Diese sind bereits aus großer Entfernung erkennbar, es sind Riffstrukturen welche bis auf zwei Meter Tiefe ansteigen. Hier herrscht eine gewaltige Strömung, inklusive Dünung. Die Plätze sind also lediglich bei mäßiger Windstärke anzufahren, da sonst ein Werfen auf den kleinen Booten kaum möglich ist, ganz abgesehen davon einen großen GT zu drillen.

Socotra_2013_E Die Giant Trevallys sind hier auf Socotra meist Exemplare über 40 Kilogramm, große Schwärme von kleineren Fischen trifft man so gut wie nie an. Dies bedeutet man benötigt eine große Portion Ausdauer, denn die Fische fressen nur in sehr eng begrenzten Zeiträumen und können aufgrund von ausbleibender Strömung auch einige Tage völlig die Nahrungsaufnahme verweigern. So geschehen bei uns, in den sieben Tagen konnten wir lediglich zwei Attacken erleben, das Plateau war wie ausgestorben. Ohne den zur selben Zeit zufällig anwesenden italienischen Guide wären wir wohl völlig verzweifelt, dieser war mit seinen Gästen ebenfalls auf dem von uns befischten Plateau, mit ähnlichem Erfolg. Auf einer küstenahen Riffstruktur ging es etwas lebhafter zu, hier waren neben Attacken von Coral Trouts und Mahi Mahis auch einige Bohar Snapper zu erbeuten, teils in stattlichen Größen.

Stickbaits waren in der von uns befischten Zeit nicht gefragt, alle Fische bissen auf Popper in Größen über 20cm.

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Set the Hook! Set the Hook! – Jigging for Dummies

Da die Oberflächenaktivtät sehr mäßig war versuchten wir vermehrt beim Jiggen unseren Erfolg. An den ersten beiden Tage, als Federico mit uns fischte, wurde uns dann sogleich klar wie wenig wir im letzten Urlaub hierbei richtig gemacht hatten. So wurden erst mal die Basics verinnerlicht, Vorfächer gewechselt und Assists neu geknotet. Nachdem dies erledigt war und wir nach Fedes erjiggten 45 Kilogramm GT motiviert waren, kamen auch nach und nach die Erfolge.

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Verschiedenste Fischarten konnten wir so erbeuten und noch mehr gingen im Drill verloren. Neben diversen Drillaussteigern (Set the Hook!) waren es vor allem die Kingfish die uns in den Wahnsinn trieben. Bei jeder Ausfahrt mussten wir ihnen Jigs opfern, ohne auch nur einen zu landen.

Socotra_2013_H Neben dem täglichen Jigging bei Tag versuchten wir unser Glück auch einmal nachts bei Vollmond – in der Hoffnung einen der großen Grouper an den Haken zu bekommen welche vor Socotra von den Einheimischen gefangen werden. Dies war uns zwar nicht vergönnt, doch neben Massen an Barrakudas gelang es uns einige andere schöne Fische zu überlisten. Das Nachtjiggen wird beim nächsten Mal auf jeden Fall intensiviert betrieben.

Socotra_2013_I Dann hoffentlich auch effektiver, denn das mitgebrachte Echolot stellte sich hierbei leider als nicht sonderlich hilfreich heraus, da der Geber bei den vorherrschenden Tiefen versagte. Dies war vor allem an den letzten beiden Tagen ein Problem. Inspiriert von einem anderen Bericht jiggten wir hier vor Hadiboh, die Erfolge waren aufgrund der Umstände zufriedenstellend. Mit Echolot wäre hier jedoch noch deutlich mehr möglich gewesen.

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So gibt es neben den Echolot noch viel Raum für Verbesserung, denn auch wenn unsere Fangerfolge eher mäßig waren: Socotras Meeresfauna ist ein Traum – direkt am Ufer intakte Korallengärten mit unzählig verschieden Fischarten, Offshore an den Kanten zum blauen Wasser sahen wir große Mahi Mahis, Kinfish und Segelfische täglich bei der Jagd und dann sind da ja noch die GTs.....

Socotra_2013_K Socotra sieht uns wieder, bald!