Rusty Hook Lake Trophy 2011

Als mich Damian Anfang des Jahres gefragt hat, ob ich Lust hätte, mit Ihm zusammen an der Rusty Hook Lake Trophy teilzunehmen, habe ich nicht lange gezögert zuzusagen, denn zwei Tage mit anderen passionierten Spinnfischern um die Wette auf Barsch, Hecht und Zander am 40km² großen Lipno-See in Tschechien zu angeln, klang in meinen Ohren auf jeden Fall nach einem lustigen Wochenende.

Also erledigten wir die Anmeldung und plötzlich war es auch schon September. Leider hatten wir es trotz guter Vorsätze nicht hinbekommen, uns im Vorfeld schon mal ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. So erblickten wir beide am Abend des vergangenen Donnerstags zum ersten Mal in unserem Leben den Lipno, eine durchaus schön im Landschaftsschutzgebiet Sumava gelegene Talsperre. Nachdem das Boot im Wasser, die Angelkarten abgeholt und das Gepäck in der Unterkunft verstaut war, klang der Abend auf der herrlichen Terrasse des Apartementhauses Vanessa, unserer Unterkunft und der "Zentrale" der Veranstaltung bei einem Bier aus. Auch die Wettervorhersage für die nächsten Tage hätte besser nicht sein können und so planten wir voller Vorfreude unsere Taktik für die Trophy.

01_Lake Trophy 2011

Der Modus des Wettkampfes war "best of three", also die Länge des größten gefangenen Hechtes, Barsches und Zanders pro Team in zwei Tagen wurde in Zentimetern addiert und ergab somit die Gesamtpunktzahl. Da wir gehört hatten, dass der Stausee einen sehr dichten Zanderbestand beherbergen solle, beschlossen wir zuerst an den Kanten des Sees den Glasaugen nachzustellen, um im Anschluss Hecht und Barsch zu befischen. Oberstes Ziel war es natürlich, alle drei Arten zu erwischen und in Anbetracht der angereisten, top ausgestatteten Teams wollten wir vor allem eins: nicht letzte werden!

02_Lake Trophy 2011

Diese Taktik erwies sich als richtig, bereits der erste Stop am Freitag Morgen brachte zwei Fehlbisse und schon am zweiten Platz konnte Damian in kurzer Folge drei ziemlich genau gleich große Zander um die 55cm aufs Messbrett legen, während ich noch immer mit Fehlbissen und Aussteigern zu kämpfen hatte. Wir beendeten daraufhin das Zanderangeln, schließlich standen noch zwei weitere Arten auf unserer “Fahndungsliste“ und wir machten uns, auf die Suche nach dem Hecht, auf in flachere Gefilde. Nach einiger Zeit zeigte uns das Echolot zwischen 3 und 4m Tiefe einiges an "Gerümpel" bis ins Mittelwasser und prompt bekam ich einen Hechtbiss. Beim nächsten Wurf hing eine 46er Luftpumpe am 16er Gummi, die mir einige Überwindung kostete, mich mit Ihr ablichten zu lassen, aber immerhin war es unser Zielfisch.

03_Lake Trophy 2011

Die restlichen drei Stunden wollten wir noch nutzen, die Barsche zu finden, was uns aber trotz intensiver Bemühungen nicht mehr gelang. Zurück bei Vanessa wurde am Abend die Zwischenwertung bekannt gegeben und wir sahen, dass die Fische der anderen Teams auch nicht viel größer (größter Zander 56cm, größter Hecht 50cm) waren als unsere, allerdings hatten bereits einige Teams alle drei Arten erwischt und wir landeten mit 101cm auf Platz 10 von 24 angetretenen Zweier-Gespannen. Vor dieser Ausgangslage beschlossen wir, natürlich wieder bei einem frischen tschechischen Bier mit wunderbarem Blick auf den Sonnenuntergang , am nächsten Morgen zuerst gezielt unseren Hechtspot anzufahren, um hier vielleicht noch ein paar Zentimeter draufzupacken und den Rest des Tages hätten wir dann noch, um Barsche zu fangen.

04_Lake Trophy 2011

Beim Aufstehen stellte ich noch schnell den Wecker meines Handys, als Erinnerung den Heimweg rechtzeitig anzutreten, da wir um 18:00 Uhr zurück an Land sein mussten. Nach dem Frühstück ging es um 8.00 Uhr los und wir hatten beide ein super Gefühl. Bunte Blätter an den Bäumen und dichter Frühnebel, wenn da kein Hecht beißt, wann dann? Der Platz war Dank des GPS schnell wieder gefunden, ich setzte den ersten Anker auf 3,5m und schon flogen die Köder ins Wasser. Nach zwei Baumkontakten wechselte Damian auf Blinker, um über das Hindernis hinweg fischen zu können und tatsächlich, nach ein paar Kurbelumdrehungen hat es auch schon "geschnackelt". Der Stock war krumm, ich schnappte mir sofort den Kescher, da war der Fisch auch schon am Boot und kam in bester Marlin-Manier komplett aus dem Wasser. "Holla, der passt genau!", dachten wir uns und eine Sekunde später war er auch schon verhaftet.

05_Lake Trophy 2011

Unter den Wettbewerbsbedingungen und beim Gedanken an die Hindernisse unter uns war mir das Risiko einfach zu groß und so begann der Drill erst im Kescher, aber sicher ist sicher. Auf dem Brett zeigte sich, dass die Dame stolze 91cm hatte und wir jetzt quasi mit zwei Assen auf der Hand so richtig im Spiel waren.

Nach Foto, Release und high five, waren wir ganz klar der Meinung, dass die Tür für einen der vorderen Plätze nun sperrangelweit offen stand. Im Moment des Erfolgtaumels war uns eines sonnenklar:

"Jetzt haun wir noch schnell einen 30er Barsch raus, und chillen den Rest des Tages entspannt beim Zanderfischen"

Immerhin hatten wir noch gut 8 Stunden Angelzeit bei bestem Wetter zur Verfügung. Was dann allerdings folgte, war ein Drama der besonderen Art. Beide nahmen wir die Barschrute zur Hand und machten uns auf die Suche nach aussichtsreichen Barschplätzen, fischten tief und flach mit allem was die Köderkisten hergaben und sich beim Barschangeln schon tausendfach bewährt hatte. Und fingen auch recht schnell… kleine Zander, kleine Hechte, aber eben halt keinen Barsch. Da wir das Revier nicht kannten, hatten wir auch keine Anhaltspunkte, wie und wo die kleinen Gestreiften zu fangen waren. Nach zwei Stunden holte uns langsam die Ernüchterung ein. Aber hey, wir werden doch wohl noch einen Barsch fangen können und wenn es nur ein 20er ist, sonst bringt uns der schöne Hecht auch nicht viel weiter. Also auf zu neuen Ufern, in einen Bereich des Sees, den wir am Vortag noch nicht befischt hatten. Tief an den Kanten jiggen, flach in den Buchten spinnen und wobbeln, da kommt bestimmt noch einer.

06_Lake Trophy 2011

Irgendwann kamen wir in eine flache Bucht, in der ein Segelboot verankert war, drum herum Schwärme von Fischbrut und tatsächlich raubten auch Fische hinein. Wieder und wieder spritzen die Kleinen auseinander und tatsächlich, Wurf, Biss, yes, da ist er…der 35er Hecht. Verdammt!

Wir fuhren weiter, zur Insel, tief, flach rundherum, nichts. Zum Barschberg, oben, unten, nichts. Zur Bucht, an die Kante, über versunkene Bäume, wir fanden viele tolle Ecken, aber leider keine Barsche. Langsam wurde es eng. Uns gingen die Ideen und die Zeit aus, es blieben nur noch drei Stunden. Um größere Flächen abzufischen, begannen wir systematisch zu driften. Wieder und wieder ließen wir uns vom tiefen ins flache Wasser treiben. Damian angelte in der Abdrift vertikal, ich warf in die Andrift. Das Ergebnis war wieder nur ein Hecht.

Gibt’s hier eigentlich überhaupt Barsche…und was sollen wir zuhause nur erzählen?

"Ein tolles Event, wir waren auch echt gut dabei, Damian hatte einen schönen Hecht, aber leider konnten wir zwei Tage lang keinen einzigen Barsch fangen.", peinlich, peinlich!

Uns blieb noch eine Stunde, also fischten wir weiter, mussten uns allerdings schon Richtung Heimathafen vorarbeiten, sonst würden wir es nicht mehr rechtzeitig an Land schaffen. Wir fuhren dicht an die Steinschüttung und raus zur Kante, nichts, nichts und wieder nichts. Scheinbar war es uns einfach nicht vergönnt, dem Lipno einen Barsch zu entlocken. Die Zeit war so gut wie abgelaufen und als letzte Möglichkeit blieb uns, in der Bucht vor unserem Haus noch ein paar mal zu werfen, wenn es nicht sein soll, soll es eben nicht sein.

Natürlich kam auch hier kein Biss. Aber wir hatten alles probiert und können uns ganz sicher keinen Vorwurf machen. Mit den Augen suchten wir das Ufer ab, aber da war einfach nichts mehr in Reichweite, was auch nur halbwegs vielversprechend aussah. So ist Angeln eben manchmal, man kann nichts erzwingen, was ja irgendwie auch den besonderen Reiz unseres Hobbys ausmacht.

Tock, "Damian, ich hab einen!" "Barsch?" "Kann sein, keine Ahnung…ja, doch… ein Barsch!!!!!!!!!"

07_Lake Trophy 2011

Der Rest war sicherlich ein Anblick für die Götter, wir beide hektisierten im Boot, Damian wirft seine Rute zur Seite, schnappt sich den Kescher und drin ist er! Ein 29er Barsch, den wir mit äußerster Vorsicht ins Boot bugsieren und unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen messen und fotografieren. In dem Moment, in dem ich den Barsch zurück in Wasser befördere, klingelt der Alarm meines Handys. Die Zeit ist rum und wir hätten beide niemals gedacht, wie glücklich man über einen kleinen Barsch sein kann.

08_Lake Trophy 2011

Nach dem Abendessen kam die Siegerehrung und es hat tatsächlich geklappt. Für unseren ersten Platz gab es €600,- Preisgeld plus eine super Jacke von Rusty Hook für Damian für den größten Hecht des Wettbewerbs und natürlich ein kleines Quäntchen Genugtuung, dass wir uns gegen 24 andere Boote durchsetzten konnten, obwohl wir zum allerersten mal in diesem fremden Gewässer gefischt hatten.

09_Lake Trophy 2011

Die Trophy war super organisiert, die beiden Organisatoren haben an alles gedacht, der Ablauf war völlig reibungslos und die Unterkunft ohne jeden Tadel, aus unserer Sicht bleibt hier wirklich kaum noch Luft nach oben. Am allerwichtigsten war natürlich, dass wir viele nette Leute getroffen haben, allen voran die Jungs der beiden Rusty Hook Teams, die zugleich der Hauptsponsor des Events waren.

Allen ambitionierten Spinnfischern können wir nur empfehlen, nächstes Jahr auch mitzumachen, sollte es Eure Zeit erlauben. Wir hatten auf jeden Fall ein tolles Wochenende, das wir am Sonntagmittag, nach dem Ausschlafen, noch bei einer gemütlichen Stunde Zanderangeln ausklingen ließen.

Uli Sichler