Der Peenestrom

Nach dem die letzten zwei Jahre der Wind unsere Pläne mit einem Meterhecht in die neue Saison zu starten gekreuzt hat, ging es heuer an den Peenestrom. Eine Woche vor Reiseantritt begann die regelmäßige Kontrolle der Wettervorhersage, die bis zur Abfahrt sehr gut war. Die Windstärke 4 sollte uns dieses Mal keine Probleme bereiten. Das einzige was mich persönlich etwas beunruhigte war die Temperatur. Bis zu -6°C und Wind aus Norden bzw. Osten wurde vorhergesagt. Ein echter Härtetest. Nichts desto trotz überwiegte die Vorfreude und die Meldungen von unseren Kollegen, die bereits Ende Januar und Anfang Februar kapitale Hechte aus den Bodden meldeten, stimmten uns sehr zuversichtlich. Zu viert traten wir am Donnerstagabend den langen Weg nach Wolgast an. Philipp, Uli, Oswald und ich hatten nur ein Ziel vor Augen. In den kommenden vier Tagen alles geben!

Es war Freitag der 13-te und als wir uns zum Hafen nach Zecherin begaben strahlte die Sonne. Ein Wintertag wie aus einem Bilderbuch zwar mit eisigem aber relativ schwachem Wind. Das reservierte Boot wartete auf uns und wir waren heiß. Nach kurzer technischer und örtlicher Einweisung fuhren wir auf den Peenestrom raus.

„Jungs ihr seid die Ersten die nach dem Sturm der letzten Tage raus fährt. Letzte Woche wurde ein Fisch mit 15kg gefangen. Ihr habt also gute Chancen auf einen erfolgreichen Tag“

Noch mit diesen Worten im Ohr, ca. 300m von der Hafenausfahrt entfernt, ging plötzlich der Motor aus. Was war los? Ratlosigkeit machte sich breit. Nach einigen Versuchen den Außenborder wieder zum Laufen zu bringen mussten wir leider aufgeben. Wir riefen den Bootsbesitzer an und kurze Zeit später wurden wir abgeholt.

01_Der Peenestrom

Nach einem Bootswechsel waren wir somit erst gegen 12.00 Uhr am ersten Spot. Die Sonne strahlte aber die Fische ließen sich betteln. Alle möglichen Köder flogen durch die Luft und wir waren nach einigen Stopps mittlerweile bei einer Wassertiefe von 3,5m gelandet. Auf einmal steigt der erste Fisch ein. Uli kann einen schönen 70+ landen. Der Anfang war gemacht. Kurze Zeit später schlug es bei mir ein. Stolz halte ich einen wunderschönen guternährten 92er in die Kamera.

02_Der Peenestrom

Beim nächsten Anker biegt sich die Rute von Philipp. Ein toller Einschlag auf einen Twister, sagt Philipp. Nach kurzem Kampf staunten wir alle als eine Monsterbrachse sich an der Wasseroberfläche zeigte. Der Fänger stocksauer konnte sich gar nicht für den Fang begeistern. Bis ich die Kamera an habe ist der Fisch auch schon zurück im Wasser. Schade! Nichts desto trotz hatten wir unseren Spaß und Philipp war unser Friedfischkönig.

05_Der Peenestrom

Der erste Tag neigte sich dem Ende zu und bis auf einige Bisse bei der Crew klagte Uli über einen guten 80+ Aussteiger. Das Resümee des ersten Tages: viel probiert, Fische gesucht und nur bedingt gefunden. Eine deutliche Steigerung in der Ausbeute ist ohne weiteres möglich.

Über den zweiten Tag fällt es schwer zu schreiben. Wir haben alles versucht. Am Samstag waren auf dem Peenestrom sehr viele Boote unterwegs. Der häufige Stellenwechsel der anderen Boote deutete darauf hin, dass es auch bei den Kollegen nicht so lief wie erhofft. Wie wir dann später erfahren haben sind alle an diesem Tag verliehenen Boote ohne Fisch geblieben. Ein Schneidertag für die Spinnangler. Dass die Fische durchaus da waren zeigen uns die einheimischen Angler. 8 prächtige Hechte lagen im Hafen zum Filetieren bereit. Keiner unter 80cm und der Größte 108cm! Angeblich alle auf Gummifisch gefangen. Na ja, äußerst zweifelhaft. Ohne irgendwelche Unterstellungen nahmen wir die tolle Fischstrecke zur Kenntnis und wünschen einen guten Hunger.

03_Der Peenestrom

Am dritten Tag wollten wir es nochmal wissen und steuerten die Plätze der „Abräumer“ vom Vortag an. Schneesturm vom feinsten und ein heftiger Ausstrom war nicht gerade förderlich. Unheimlich viele Fehlbisse brachten uns zur Verzweiflung. Den ersten Fisch konnte Philipp fangen. Ein schöner 85er Hecht konnte seinem fluogelben Twister nicht widerstehen.

04_Der Peenestrom

Besonders gefreut hat es uns für Philipp der aus arbeitstechnischen Gründen schon am Sonntag die Heimreise antreten musste. Kurz vor Feierabend konnte sich Uli über einen 91er Hecht freuen. Die Ausbeute der ersten Tage ernüchternd. Ratlosigkeit machte sich breit. Aber einen Versuch hatten wir noch und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zu letzt.

06_Der Peenestrom

Nach der abendlichen Analyse der letzten 3 Tage beschlossen wir uns am vierten Tag auf die fischbringenden Spots der letzten Tage zu konzentrieren. Schließlich war ja Oswald noch an der Reihe seinen ersten Fisch zu bezwingen. Der Tag begann sehr vielversprechend. Erster Anker, erster Wurf und schon vermeldete der Uli einen Biss. Der Ausstieg des Fisches nach kurzem Drill war zwar sehr ärgerlich aber dennoch motivierend. Wenige Minuten später konnte Uli dann doch einen 92er Hecht zur Fotosession ins Boot einladen.

07_Der Peenestrom

Es geht ja super los! Voller Enthusiasmus wurden wir aber ziemlich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Und so dauerte es bis zum Nachmittag bis es dann doch noch klappte mit Oswald´s erstem Fisch aus dem Peenestrom. Die Ausdauer und der Glaube an den Erfolg sind die wichtigsten Faktoren in solch hoffnungslosen Situationen.

08_Der Peenestrom

Auch wenn wir heuer nicht unsere Hecht PB´s im hohen Norden verbessern konnten war es einmal mehr eine tolle Erfahrung.